Wegmoderiert

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Die geplante Bebauung des Rodenstock-Geländes trifft weiter auf den Widerstand der Dreimühlenviertler: Jetzt kamen Kritiker, Stadt, Bauherr und Architekt erneut zusammen, um die Pläne zu besprechen. Mit durchaus mageren Ergebnissen und verpassten Chancen.

 

Die vielfältige Kritik der Bürgerinitiative "3mühlenviertel", die inzwischen auf über 1100 eingegangene Unterschriften verweist, kann man auf Kernpunkte reduzieren. Nach dem jetzigen Stand der Planung würden die neuen Gebäude einfach zu hoch, insbesondere die betont massiven Eckhäuser, und die Fassaden seien zu langweilig und ungegliedert, kurz, der ganze Bau passe so nicht ins gewachsene Viertel. Im Fokus stand wieder der zukünftig geöffnete Westermühlbach, der durch den Innenhof des Neubaublocks fließt. Die Baywobau als Eigentümer plane zwar aktuell, den öffentlichen Zugang im Innenhof zuzulassen, es gebe aber kein dauerndes Wegerecht, der Zugang könne jederzeit geschlossen werden.
Die Einführung des Abends übernahm Roland Duda vom Architekturbüro Ortner und Ortner, der von seinem Bild des umgebenden Viertels auf die Gestaltungsprinzipien seines Entwurfs kam: Traditionell abgeschrägte, "überhöhte" Ecken, zurückgenommene Farbigkeit würden im Entwurf aufgenommen und wiederholt. Er wies auch auf Veränderungen gegenüber dem ersten Entwurf des Wettbewerbs hin, im Gegenteil, es "reagiere der Bestand falsch auf den Roeckl-Platz", was missbilligendes Gemurmel im Bestands-Publikum hervorrief.
Professor Christoph Maurer sprach im Anschluss für die Bürgerinitiative, und sein Blick auf den Bestand des Viertels, untermauert durch eine Vielzahl an Bildern, ist deutlich anders: Farbigkeit, Verspieltheit, wechselreiche Fassaden. Er betonte noch einmal die wesentlichen Forderungen seiner Initiative, was die Höhen und die Fassadengestaltung angeht. Auch der Alleencharakter müsse erhalten, die Parkplatzsituation verbessert und die Begehbarkeit des erneuerten Bachufers für die Öffentlichkeit gesichert werden. Abschließend sprach er eine - für die Bürgerinitiative entscheidende Forderung an: Auch die Stadt München sei in der Pflicht, und zwar "auch jenseits der Baugesetze".
 

"Vom Wutbürger zum Dialogbürger"
Ganz diesem Motto der "3mühlenviertler" Bürgerinitiative gemäß wurde insgesamt ziemlich ruhig diskutiert: Über die Höhenproblematik, die Fassade, das fehlende öffentliche Wegerecht. Brigitte Gans als spezialisierte Mediatorin brachte eine straffe Gliederung in die Diskussion, um wirklich alle Themen in der Kürze der Zeit ansprechen zu können und alle Informationen über die Bühne zu bekommen. Leider entwickelte sich aus dieser Moderationstechnik auch ein Schwachpunkt des Abend.
Viele Wortmeldungen konzentrierten sich auf die Höhenproblematik, die letztlich mit Hinweis auf die gesetzlich korrekt eingehaltenen Abstandsflächen beantwortet wurde. Auch seien die besonders angegriffenen Gebäude an den Ecken keineswegs höher als der Bestand, die größere Anzahl der Geschosse im Neubau wäre täuschend. Die Fassade insgesamt war öfter Thema, hier verwiesen Duda und Albert Hofmann, Vorstand der Baywobau, tröstend auf die vielfältigen Möglichkeiten, die die Detailgestaltung durch Naturstein und verschiedene Putzformen noch gewinnen werde. Grundsätzlichere Umplanungen wurden nicht einmal als Möglichkeit in Betracht gezogen, nicht mal ernsthaft eingefordert. Hier fehlten überzeugende alternative Konzepte, die das Gespräch produktiver gemacht hätten.
Andreas Uhmann vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung stand gewissermaßen für den neutralen, erklärenden Beobachter: Manche Fragen klärte er schnell. Eine Verlängerung des Grünzugs entlang des Westermühlbachs wäre vielleicht wünschenswert gewesen, aber nicht möglich, schließlich hätte dafür die Stadt Eigentum am Gelände erwerben müssen, was nicht finanzierbar gewesen sei. Auch sei die Einrichtung von sozialem Wohnungsbau nur bei neu erlassenem Baurecht möglich, also nicht bei diesem Objekt. Die Rolle der Stadt wurde, als natürlicher Ansprechpartner der Bürger, öfter thematisiert, aber nicht konkret eingefordert. Auch die Frage der Barrierefreiheit war Thema, ob sie auch für den Zugang zum Innenhof garantiert werde, blieb einigermaßen unklar.
Die positiv aufgenommen Punkte der Planung: Zum Beispiel der öffentlich nutzbare Kindergarten mit zwei Gruppen zu je 24 Kindern, mit einer Krippe für 12 Kinder. Eine Mutter griff sich das Mikrofon, um beinahe schon die Anmeldung mündlich auszufüllen. Zum Roecklplatz hin ist ein Tagescafe geplant und sieben kleinteilige Läden zur Auenstraße sollen dort das Untergeschoss beleben. "Also kein Vollsortimenter wie Aldi oder Lidl, damit also auch keine Lastwägen um 5.00 Uhr früh", wie Hofmann von der Baywobau betonte. Die Bauzeit wurde, beginnend mit dem Auszug der Firma Rodenstock Ende diesen Jahres bis 2014 angeben.
 

Vom Dialogbürger zum Wutbürger?
Die Qualität solcher Treffen hängt stark davon ab, dass alle Parteien und die Moderation ihre Aufgaben erfüllen, Interessenskonflikte können nämlich nur dann gelöst werden. Zugegeben, es ist keine einfache Aufgabe, wenn sich Bürger und selbstbewusste Experten gegenüberstehen, aber: Die Bürgerinitiative darf die Deutungshoheit nicht einfach der Baywobau und ihrem Experten überlassen. Es fehlte der Experte der Bürgerinitiative, der in ebenso kundiger Weise mit Baugesetzbuch und Wärmedämmungsverordnungen argumentieren kann und trotzdem eine langweilige Fassade als solche auch kenntnisreich kritisiert. Denn man kann durchaus lebendige Fassaden entwickeln, ohne alte und gewohnte Formen als Kulisse zu wiederholen. Wenn dann eine übervorsichtige Moderatorin meint, schon harmlose Äußerungen von Nicht-Experten ("klotzig", "Schießschartenfenster") als Wertung zu disqualifizieren, wird der Versuch einer klärenden Kommunikation zur technokratisierten Farce.
Solch  stramm moderierte Treffen sind aus der einen und der anderen Richtung gefährdet. Das eine Ende markiert, wenn solch eine Veranstaltung im Chaos endet. Die Gegner stehen sich gegenüber und brüllen sich an. Wenig zielführend, denn Informationen und Argumente gehen unter und bleiben ungewürdigt. Aber auch die andere Richtung ist leider sehr unbefriedigend. Kommunikation in einer Demokratie ist nicht nur der rationale Austausch von Fakten, sondern es geht in der kommunalen Politik um die ganze Lebenswelt der Bürger, die auch Emotionen und Geschmäcker umfasst, weit weg vom Paragraphen 34 des Baugesetzbuches oder der neuen Energieeinsparverordnung. Das hätte die Bürgerinitiative durchaus deutlicher einfordern können. Wann und in welcher Weise wird es einen neuen Entwurf zu den überhöhten Eckgebäuden geben, kann die Stadt nicht doch noch ein Wegerecht an ihrem eigenen Stadtlauf erlassen und wenn nein, warum nicht, und dergleichen mehr.
Am Beispiel des Themas Wegerecht wurde das Problem besonders deutlich: Tatsache ist, wie von einem Bürger richtig erwähnt, dass der Bachlauf selbst Eigentum der Stadt ist. "Zahlen dürfen wir, aber nicht daran entlanggehen, höchstens durchschwimmen." Baywobau-Vorstand Hofmann sprach dann wortreich von dem Engagement des Bauherrn, der auf seine Kosten den Bachlauf erneuern werde. Dabei ging aber tatsächlich das eigentliche Argument des Bürgers unter: Der Bachlauf bleibt im Eigentum und in der Verantwortung der Stadt und damit aller Bürger. Die endgültige Frage blieb offen: Warum erließ, oder erlässt die Stadt nicht ein Wegerecht für die Öffentlichkeit. Hofmann selbst erwähnte die rechtliche Problematik der Situation ohne Wegerecht. Die Durchgangsmöglichkeit hängt vom Wohlwollen des Bauherrn ab, träten Sicherheitsprobleme auf, könne sich die Sachlage wieder ändern. Und diese Sicherheitsprobleme könnten schon bei einer Nacht, zwei Punks und einer zerbrochenen Flasche Augustiner Hell beginnen, die die rund 300 teuren Wohnungen kritisch und lautstark zu kommentieren wünschen.
Insgesamt versäumte die Moderation öfter, offene Fragen noch einmal zu bündeln und klare Antworten einzufordern oder eben das Ausweichen sichtbar zu machen. Was übrigens im Interesse aller liegt, um in der Zukunft Kompromisse zu erzielen.
 

"Nur wer sich aufregt, wird wirklich" sagt Gerhard Polt
In der Schlussrunde fiel es zumindest Stadtrat Paul Bickelbacher noch einmal auf, dass die Eckgebäude ein Problem geblieben sind, und Christoph Maurer wies nochmal auf die Verpflichtung der Stadt hin, die über die Gesetze hinausginge. Andreas Uhmann vom Planungsreferat nahm das mal so mit ins Büro.
 

SAZ
 

Links:
www.3muehlenviertel.de
hier sind auch die Bilder der aktuellen Planung zu finden.
www.muenchner-forum.de

 

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